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Anpassungen ohne triftigen Grund

Letzten Sommer hatte eine in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie zum Alkoholkonsum Aufsehen erregt. Die Studie wollte nachgewiesen haben, dass selbst kleine Mengen Alkohol schädlich sind und es somit keinen risikofreien Konsum gibt. Entsprechend forderten die Urheber der Studie, dass der Alkoholkonsum global von Gesetzgebern reguliert werden solle, um den Gesamtalkoholkonsum aller Bevölkerungen zu senken.

Ebenfalls im Sommer korrigierte die Eidgenössische Kommission für Alkoholfragen EKAL die Orientierungshilfe für einen risikoarmen Alkoholkonsum nach unten. Dazu stützte sie sich auf eine Studie, die in sieben mehrheitlich nord- und osteuropäischen Ländern durchgeführt wurde.

Doch die Lancet-Studie wie auch die EKAL-Empfehlungen kranken am gleichen Fehler: Die zugrundeliegenden Studien und wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen sich weder global verallgemeinern noch spezifisch auf die Schweiz anwenden.

Die Studiendaten der Lancet-Studie beruhen auf modellierten Schätzungen weltweiter Daten und nicht auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Vielmehr werden die Ergebnisse früherer Studien bestätigt, wonach diverse gesundheitliche Risiken mit steigendem Konsum zunehmen, andererseits aber bei leichtem bis moderatem Genuss alkoholischer Getränke gesundheitliche Vorteile nachweisbar sind.

Fakt ist weiter, dass in der Schweiz kein alkoholpolitischer Notstand herrscht. Der Konsum alkoholischer Getränke ist seit über 20 Jahren rückläufig und auf einem Rekordtief, wie die Statistiken des Bundes zeigen. Laut Bericht 2013-2016 des Nationalen Programms Alkohol haben 88% der Bevölkerung keinen Risikokonsum, trinken also nicht zu oft, zu viel oder zur falschen Zeit.

Die Trinkempfehlungen der EKAL wurden somit ohne Not, ohne neue Evidenzen und ohne landesspezifische Erkenntnisse pauschal nach unten korrigiert.